Logo Deutsches Klingonisch-Institut

HOME   LERNEN   NEWS   SHOP

Das war… Klingonisch!

Die Sendung der Maus wird 50 – Auf Klingonisch.

Anlässlich des 50. Geburtstags hat sich die Maus wieder was besonderes einfallen lassen: Da diese Folge einen Blick in die Zukunft zeigt, wird das Intro passenderweise auf Klingonisch gesprochen. Übersetzt und eingesprochen von eurem Klingonischlehrer höchstpersönlich.
Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on whatsapp
Share on reddit
Die Sendung mit der Maus wird 50

qoSlIj DatIvjaj!

Alles Gute zum Geburtstag!

Es wird wohl jedem bekannt sein, dass die weitbekannte Kindersendung "Die Sendung mit der Maus" zu Beginn jeder Episode eine Zusammenfassung der Folge zeigt. Dies erfolgt zuerst auf Deutsch, und dann in einer regelmäßig wechselnden Fremdsprache. Das soll weniger dem Zuschauer die Sprache beibringen, sondern eher die Möglichkeit aufzeigen, wie sich eine fremde Sprache anhört, kombiniert mit einem kleinen Rätsel, denn die Sprache wird erst zu Schluss benannt mit dem klassischen Satz "Das war: …"

Aus den Kommentaren, die man in den sozialen Netzwerken finden kann, wird deutlich, dass einige es noch nicht wirklich begreifen oder fassen können. Da gibt es Kommentare wie "Ist das fake?" oder "War das wirklich im Fernsehen?"

„Kein Fake. Das war wirklich im Fernsehen!“

Deswegen wird es hier mit aller Deutlichkeit betont und bestätigt: in der Folge vom 07.03.2021 der Sendung mit der Maus wurde tatsächlich dieser Vorspann auf Klingonisch gesprochen. Nein, dies war keine Parodie, die nur zu Werbezwecken erstellt wurde, sondern es wurde im offiziellen Fernsehen gesendet.

Und es war auch nicht das erste Mal.

Eine lange Vorgeschichte

Die Geschichte, wie es dazu kam, reicht viel weiter zurück, als die Mitarbeiter des WDR es sich wohl denken können. Denn es wurde aus Sicht der Klingonisten und Star-Trek-Fans wirklich an der Zeit, dass Klingonisch endlich mal in der Sendung verwendet wird. Nun war es so, dass ich in den Anfängen meiner Mission als Klingonischlehrer und Verbreiter der Sprache schon im Jahre 2002 es wagte, mutig voranzugehen, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen war, und der Redaktion der Sendung mit der Maus vorzuschlagen, den Vorspann auf Klingonisch zu verfassen.

Damals war die Zeit offenbar noch nicht reif genug, so dass mir eine höfliche Absage erteilt wurde, mit der Erklärung, es gebe noch ausreichend andere Sprachen auf der Welt, die sie noch nicht verwendet hatten. Damit war das Thema erstmals erledigt.

Der überraschende Anruf

Als ich dann im Februar 2017 die Anfrage des WDR erhielt, anlässlich einer Weltraum-orientierten Folge den Vorspann auf Klingonisch zu sprechen, war meine erste Reaktion ziemlich klar: Aha! Sind denen jetzt die Sprachen ausgegangen? Selbstverständlich fühlte ich mich zutiefst geehrt, Teil eines solchen legendären Projekts werden zu dürfen und machte mich gleich an die Arbeit.

„Selbstverständlich fühlte ich mich zutiefst geehrt, Teil eines solchen legendären Projekts werden zu dürfen und machte mich gleich an die Arbeit.“

Eine spannende Aufgabe

Da es zum Ausdrücken einiger Konzepte im Klingonischen nicht immer die passenden Wörter gibt, muss man bei der Übersetzung immer etwas kreativ sein. So ist zum Beispiel Klingonisch sehr Handlungsorientiert; Das heißt, man baut Sätze eher aus Verben als aus Nomen. So würde man den Filmtitel "Das Große Fressen" eher mit "sie essen viel" oder ähnlich übersetzen. Trotzdem entschied ich mich an den meisten stellen für eine reine Aufzählung von Nomen, weil diese sich direkt auf die gezeigten Bilder beziehen, und ich mich auch an die zeitliche Begrenzung der Aufnahmehalten musste.

Die Geburtstagssendung mit der Maus

Im Folgenden möchte ich die Sätze nun erklären, und zwar aus Sicht der klingonischen Version. Diese Jubiläumsfolge beginnt ausnahmsweise nicht mit der berühmten Zeile "Lach- und Sachgeschichten". Stattdessen trägt diese Episode den Titel "Die Geburtstagssendung mit der Maus", zu Klingonisch mawS qoS'a' HaSta much gefolgt von dem Wort DaHjaj für "Heute". Danach kommt die klassische Aufzählung.

Aufgrund der unüblichen Satzstellung im Klingonischen kann man nicht immer direkt übersetzen und häufig geht es besser, etwas als Satz auszudrücken als in Form eines frei stehenden Satz-Elementes. So wird die Idee des Wortes "mit" ganz anders ausgedrückt, so dass man dies gar nicht wörtlich übersetzen kann.

Die Themen des Tages

  • Der erste Satz DuSaQDaq qoq wIbej ("mit einem Roboter im Klassenzimmer") ist wörtlich übersetzt: "Wir beobachten einen Roboter in der Schule".
  • jul pargh wItu', ("einer künstlichen Sonne") ist wörtlich "wir entdecken eine Sonne".
  • monQIv yughbogh megh wISop ("einem Mittagessen aus Algen") ist wörtlich "Wir essen ein Mittagessen, das aus Algen besteht". An dieser Stelle hatten wir Glück, dass das Wort für Algen (monQIv) zufällig erst im Jahr 2020 entdeckt wurde.
  • mavIbHa'. qaSDI' no'bov mamev. ("einer Reise in die Steinzeit"). Zeitreisen werden im Klingonischen etwas seltsam ausgedrückt. Man sagt dafür erst das Verb für "reisen durch die Zeit" vIb, was mit der Nachsilbe -Ha' zu einer Reise zurück in die Zeit wird. mavIbHa' wir reisen rückwärts durch die Zeit. Danach nennt man den Zeitpunkt, an dem die Reise endet. qaSDI' no'bov mamev. "sobald die Zeit der Vorfahren geschieht, hören wir auf."
  • qoS ghenraq, ("einem Geburtstagskonzert") Dies ist eine sehr direkte Übersetzung, aber ein wenig geschummelt. qoS bedeutet schlichtweg "Geburtstag", aber ghenraq bedeutet nicht Konzert, sondern Orchester. Inhaltlich passt es aber gut.

Der Traditionelle Abschluss

In dem bekannten Schluss-Satz 'ej – net Sov – nutlhej MauS, 'e'levan, 'en-te' je. wurde, genau wie in der ersten Ausgabe von 2017, mit dem Satzbau etwas gemogelt. Der Ausdruck net Sov (natürlich, sowas weiß man) kommt üblicherweise an das Ende des Satzes. Korrekt sollte also es heißen nutlhej MauS, 'e'levan, 'en-te' je net Sov. Es war aber meine Absicht, den sprachlichen Rhythmus des Originals beizubehalten. Dort beginnt der Satz eben "Und natürlich mit der Maus, dem Elefanten und der Ente. "

Ironischerweise hat mich diese Problematik fast vier Jahre lang beschäftigt, und erst nachdem ich diese zweite Version gesendet wurde, fiel mir eine viel einfachere, saubererer Lösung dafür ein, die sehr typisch für Klingonisch ist: Die Nachsilbe -ba' wird für Aussagen verwendet, die für jeden offensichtlich sind. Daher sage ich jetzt ganz einfach: nutlhejba' Maus, 'e'levan, Ente je.

Diese verwendete ich dann für die Podcast-Ausgabe der Sendung mit der Maus, die in der Woche vom 1. bis 5. März 2021 zu hören war.

Details auf https://www.wdrmaus.de/hoeren/podcast60.php5

Ente, Ente, Ente....?

Dem Aufmerksamen Leser wird wohl nicht entgangen sein, dass es eine klingonische Schreibweise für Elefant gibt ('e'levan), aber keine für Maus und Ente. Dafür gibt es eine gute Erklärung.

Man kann sich gut vorstellen, dass es auf der klingonischen Welt Tiere gibt, die diesen drei hier ähneln, aber eben nicht die selben sind. Es war tatsächlich meine Überlegung, eines der bekannten Wörter zu verwenden, aber das wäre zu vage gewesen. Hätte ich nun die Maus mit Qa'Hom übersetzt, einem vergleichbar kleinem klingonsichen Tier, dann hätte sich vielleicht später herausgstellt, dass dieses überhaupt nicht so lieb und niedlich ist. Auch gibt es ein Wort für eine Art Ente (Da'nal), aber dessen Verhalten ist auch sehr unberechenbar und vielleicht nicht passend.

Beim Elefanten ist es aber anders. Marc Okrands Informant Maltz teilte mir mit, dass er kein klingonisches Tier kenne, das einem Elefanten ähnelt. Daher empfahl er mir, einfach die klingonische aussprache des Wortes zu verwenden: 'e'levan.

Maus-Vorspann auf Klingonisch

Erste Version 2017

Wer gerne ins Detail geht, kann hier auch mehr über die Sätze von 2017 lesen.

HaghmeH ghojmeH je lutmey passt sinngemäß zu den original "Lach- und Sachgeschichten", aber hierbei wurde etwas grammatikalisch geschummelt. Es wurde nämlich anstelle der Konjunktion für Verben 'ej jene für Nomen je verwendet. Diese ist zwar eigentlich nicht korrekt, wurde aber in Anologie zu einer Zeile aus einem der berühmtesten klingonischen Kriegslieder Qoy qeylIS puqloD so formuliert. lutmey sind "Geschichten". Danach folgt das Wort DaHjaj für "heute", wörtlich "jetzt-Tag".

nom jul He wItlha'qu'. Im Original wird hier von einem Zeitraffer gesprochen, aber wörtlich sagt der Satz "wir jagen sehr schnell die Sonne"

'aleqSander tera' velqa' tInqu' ist "Alexanders sehr großes Erd-Modell". Man beachte, dass hier das Adjektiv tInqu' nach dem Nomen kommt. Wenn nicht, wäre es ein Sätz: "Das Modell ist sehr groß."

Der nächste Satz pumlaw'bogh tera' pegh bedeutet "Das Geheimnis der scheinbar umfallenden Erde." Das Wort tera' ist nicht zu übersehen und bedeutet das was man denkt. Wörtlich: pum fallen -law' scheinbar -bogh welche.

Das Wort für Sonnenuntergang klingt im Klingonischen recht poetisch und bedeutet wörtlich "gefärbte Dämmerung". Es steht hier am Satzanfang: tlhom chum Hutlhbogh jajmey'e'. Das letzte Wort sind die "Tage" (wie oben schon in DaHjaj zu sehen). So bedeutet dieser Satz "Tage, welchen ein Sonnenuntergang fehlt".

Und jetzt kann ich endlich nach so vielen langen Jahren des Wartens endlich meine Ansprache beenden mit: Das war: … Klingonisch!

Maus auf Klingonisch 2017

Logo des Klingonisch-Wiki

Weiterführende Informationen
zu diesem Thema gibt es
im Klingonisch-Wiki:

JETZT TEILEN

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on print
Drucken
Share on email
E-Mail
Share on reddit
Reddit

ÜBER DEN AUTOR

Lieven L. Litaer ist Klingonischexperte, Autor, Gründer des Deutschen Klingonisch-Instituts und weltweit bekannt als der Klingonischlehrer überhaupt. Mehr Informationen darüber gibt es auf seiner Seite www.lieven-litaer.de

Neueste Beiträge:
Kategorien:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.