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Auch die neue Serie enthält Klingonisch!

Klingonisch in Star Trek Lower Decks

In der neuen Zeichentrickserie Lower Decks passiert viel Klamauk. Das Klingonisch darin ist aber korrekt. Wir erklären, was es hier zu hören und zu sehen gibt.
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Szene aus Star Trek Lower Decks

ACHTUNG: Dieser Artikel enthält kleinere SPOILER.

Neue Serie – Neue Spaltung

Am 22. Januar 2020 erschien nun endlich auch bei uns in Deutschland die neue Zeichentrick-Serie Star Trek Lower Decks, abzurufen auf Amazon Prime. Anders als bei den vorigen Serien Star Trek Discovery und Star Trek Picard erschien Lower Decks erst nachdem die gesamte Staffel in den USA komplett durchgelaufen war. Das Glück im Unglück bedeutet für uns, dass die komplette Staffel mit 10 Folgen am Stück verfügbar ist.

Die Resonanz auf die Serie spaltet wieder einmal das Fandom: Die einen finden es genial und eine tolle Idee, das Thema von einer komplett anderen Methode anzugreifen. Andere wiederum können sich einfach nicht mit diesem zum Teil recht infantilen Humor anzufreunden. Auch die Art der Darstellung und hektischen Dialoge sind nicht jedermanns Sache und bringt manche Zuschauer dazu, schon nach wenigen Minuten auszuschalten.

Abgesehen davon gibt es aber auch viele positive Stimmen, welche die Serie hoch loben, und empfehlen, bis zum Schluss durchzuhalten, da es sich lohnt. Aber darauf wollen wir an dieser Stelle gar nicht eingehen.

Klingonisch in Lower Decks

Was wäre Star Trek schon ohne Klingonen? Bereits in den ersten Kinofilmen waren sich die Drehbuchautoren offensichtlich einig, dass die Klingonen ein wichtige Rolle in Star Trek spielen und das hat sich in jeder folgenden Serie bestätigt. Das Ergebnis davon ist ja die klingonische Sprache, die wir seither intensiv lernen und verbreiten.

Auch in Lower Decks werden die Klingonen bereits in der ersten Folge angesprochen, auch wenn dies nur nebensächlich war, als die Hauptfigur Mariner zu Boimler sagte, er sei ihr cha'DIch. Dies heißt wörtlich "der Zweite" ist ein Wort für eine Art Anwalt bzw. Stellvertreter. (siehe dazu den Artikel auf Memory Alpha)

Die Klingonen kommen

Gleich in der zweiten Folge "Abgesandte" ("Envoys") greifen die Drehbuchautoren direkt ins Volle. Kurzfassung der Story ist, dass Boimler und Mariner einen Klingonen Namens K'orin zur Föderation eskortieren sollen. Der Hintergrund dazu ist absolut irrelevant und wird vom Klamauk der beiden Hauptfiguren übertönt.

Bei der ersten Vorstellung des Klingonen werden sämtliche Klischees ausgepackt: Klingonen sehen gefährlich aus, sind rauflustig, können sich nicht benehmen und genießen das Koma-Saufen. Lediglich die Idee, das Klingonen auch mal auf ihr Schwert kacken, war mir neu.

Klingonische Wörter

Die klassische Begrüßung

Während sich Boimler auf seine Mission vorbereitet, übt er mit großem Stolz den "klassischen Gruß" nuqneH, was er übrigens auch recht gut ausspricht.

Bevor sie mit dem Shuttle losfliegen, fordert Mariner den Klingonen zu einem kleinen Schaukampf heraus. Danach lachen beide laut und der Klingone sagt zu Mariner, die Sternenflotte habe sie weich gemacht. Darauf antwortet sie mit "Nicht so weich wie dein ngech, K'orin!" Das Wort ngech, wörtlich "Tal", wird in der klingonischen Umgangssprache für "Busen" verwendet. Leider war die Aussprache dieses Wortes nicht korrekt. Richtig wäre [NGETSCH], aber sie sagt so was wie [Ne-GECH]. Hier ist die Aussprache im englischen Original wie in der deutschen Synchronisation gleichermaßen falsch.

Das Lied im Shuttle

Szene aus Star Trek Lower Decks: Mariner trinkt mit dem Klingonen
Mariner trinkt mit dem Klingonen.
Screenshot © CBS All Access

Nach dem kleinen Kampf besaufen sich die beiden fröhlich und singen dabei ein klingonisches Lied. Es ist keins der bisher bekannten Lieder, die man seit Deep Space Nine auf jeder Convention mehr als satt gehört hat.

Das Gesungene klingt im ersten Moment so ähnlich wie yIH naHchu', jaj DIteq 'ej najHomvam machuch, was überhaupt keinen Sinn ergibt. Wenn man die falsche Aussprache korrigiert bzw. herausfiltert, ergibt es das Folgende:

ghIq nachDu'chaj DIteq 'ej nach Homvo' matlhutlh
"Wir reißen ihnen die Köpfe ab und trinken aus ihren Schädeln."

Dieser Satz ist grammatikalisch absolut korrekt und vollständig. Der Experte könnte feststellen, dass es ein anderes Wort für "Schädel" gibt, und zwar DughrI'. Dieses wurde aber erst am Klingonischkurs Saarbrücken 2019 entdeckt, und Okrand bestätigt dabei, dass auch der Ausdruck nach Hom (wörtlich "Kopf-Knochen") in Ordnung sei.

Hier hatte sich der Berater der Serie David Mack die Mühe gemacht, nach einer guten Übersetzung zu suchen. In einem langen Gespräch an der Phantastika 2018 in Berlin, zu der ich als Redner geladen war, hatte ich ihm erklärt, dass man einem online-Übersetzer nicht trauen dürfe. Dies hatte er sich offenbar zu Herzen genommen und fragte während der Produktionsphase 2019 in der Facebook-Gruppe nach einer Übersetzung für diesen einen Satz. Der Satz wurde dort intensiv besprochen und Mack nahm sich einen der Vorschläge; Das alles selbstverständlich ohne zu erwähnen, für welches Projekt dies dienen sollte.

Klingonische Buchstaben

Auch bei der Dekoration der klingonischen Außenstation hat man sehr gut auf die Details geachtet. Sämtliche erkennbaren Schriftzeichen sind korrekt dargestellt. Hierbei handelt es sich um die Original-Schrift des KLI, und nicht um die Variante, die man bei Discovery gesehen hat.

Es beginnt bereits bei der Landung auf dem Planeten. Das Tor zur klingonischen Stadt ist eine Anspielung auf das New Yorker "Little Italy" und trägt die klingonischen Buchstaben qoznoshom für das Wort Qo'noSHom. Wörtlich ist dies "minderes Kronos", sinngemäß aber eindeutig "Little Kronos".
Szene aus Star Trek Lower Decks: Screenshot little Kronos
Auf einem klingonischen Markt gab es einige Schilder und Beschriftungen die in klingonischen Zeichen geschrieben sind:
  • kag d.h. qagh, bedeutet "Gagh".
  • Das Wort nuHmey ("Waffen") ist an einem Waffengeschäft zu sehen, geschrieben nuhmey.
  • Auf einem kleinen Schild steht suy, d.h. Suy "Händler"
  • Ein Töpfer-Stand zeigt fevwiz, d.h. ngevwI' "Verkäufer"

Gut gemacht!

Viele Zuschauer sind im ersten Moment von dieser Serie überwältigt und schockiert. Es ist etwas komplett Neues und nie dagewesenes. Es heißt, wer "Rick & Morty" mag, wird diese Serie lieben. Und genau da liegt das Problem: Ich mag Rick & Morty nicht. Aber… aus Sicht des Klingonischlehrers freue ich mich sehr, dass auf solche Details geachtet wurde. Die ganze Serie ist mit Anspielungen und Details durchsät und man sieht, dass die Macher sich viel Mühe gegeben haben. Das Stichwort Fanservice ist hier groß geschrieben und das merkt man. Ob man die Serie mag ist etwas anderes, aber diese Diskussion gab es bisher bei jeder Serie. Aber nicht jede Serie hat sich so viel Mühe beim Klingonischen gegeben.

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ÜBER DEN AUTOR

Lieven L. Litaer ist Klingonischexperte, Autor, Gründer des Deutschen Klingonisch-Instituts und weltweit bekannt als der Klingonischlehrer überhaupt. Mehr Informationen darüber gibt es auf seiner Seite www.lieven-litaer.de

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