Logo Deutsches Klingonisch-Institut

HOME   LERNEN   NEWS   SHOP

Warum Klingonisch lernen so viel Spaß macht.

witzige Vokabeln

Immer wieder kommt die Frage: Warum macht Klingonisch lernen so viel Spaß? Einer der Gründe liegt darin, dass viele der Vokabeln ein verstecktes Wortspiel enthalten. Dieses zu finden ist für manche ein Hobby für sich!
Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on whatsapp
Share on reddit
Foto aus der Vokabelliste des TKD

Wahrhaft eine Sprache mit humor!

Immer wieder taucht die Frage auf: Warum lernt man Klingonisch? Eine erfundene Sprache? Eine, die niemand spricht? Tja – die meisten Skeptiker verstummen bald, wenn ich dann zurückfrage, warum jemand gerne angeln geht oder Briefmarken sammelt. Es ist ein Hobby wie jedes andere und bedarf einfach keiner Begründung.

Selbstverständlich gibt es aber sehr wohl viele Gründe, die man aufzählen könnte. Allen vorweg der wichtigste: Weil es Spaß macht! Alle Zweifler möchten jetzt sicherlich aufgrund ihrer Erfahrungen einwerfen, dass sie nie wirklich Spaß daran hatten, in ihrer Schulzeit Seitenweise Vokabeln zu büffeln – aber gerade hier gibt es einen Grundlegenden Unterschied: Da Klingonisch bekannterweise eine erfundene, künstliche Sprache ist, enthalten viele der Wörter sehr häufig eine amüsante Entstehungsgeschichte.

Eine komplette Sprache erfinden

Marc Okrand 2019
Marc Okrand 2019

Als Marc Okrand zu Beginn der Achtziger des vorigen Jahrhunderts den Auftrag bekam, die klingonische Sprache zu entwickeln, hatte er als Grundlage ausschließlich die wenigen Sätze aus dem ersten Star-Trek-Film, an dessen Klang er sich orientieren konnte. Um die Sprache passend zur klingonischen Kultur zu entwickeln, legten ihm seine Auftraggeber sämtliche Drehbücher von vergangenen Star-Trek-Episoden vor, in denen die Klingonen vorkamen, auch wenn es nur kurz war.

Für den neuen Film erhielt er – wegen der üblichen Geheimnistuerei – nur jene Szenen aus dem Film, in denen die Klingonen Dialoge hatten. Zu dem Zeitpunkt stand auch noch nicht fest, welche Szenen auf Klingonisch gesprochen werden sollten. Daher entschied sich Okrand einfach, ziemlich alles zu übersetzen, was eventuell gebraucht werden könnte.

Eine Grammatik ausdenken ist eine Sache, sich tausende Vokabeln auszudenken scheint aber viel schwieriger. Der Leser soll mal versuchen, aus dem Stegreif zehn verschiedene Nonsens-Silben aufzusagen, die sich nicht ähneln und auch nicht Deutsch klingen. Man ertappt sich schnell dabei, etwas doppelt zu sagen oder versehentlich ein deutsches Wort zu hören. Die klingonische Sprache enthält inzwischen über 4.000 Wörter! Manche der zu übersetzenden Wörter sind sicherlich recht einfach, z.B. wird Klingon zu tlhIngan und der Planet Nimbus heißt einfach nImbuS… aber für eine fast vollständige Sprache braucht man viel Phantasie und definitiv auch Humor!

verschiedene Wortspiele

Ein Großteil der Vokabeln basieren natürlich einfach nur auf willkürlichen Lauten, teilweise auch auf die Lippenbewegungen der Schauspieler. Einige wenige haben tatsächlich auch einen fast linguistisch logischen Zusammenhang. Zum Beispiel fangen alle Wörter, die mit Sprechen zu tun haben, mit ja- an: jatlh sprechen, jat Zunge, ja' erzählen. Aber dann gibt es auch sehr viel verschiedene Ansätze und Arten von Wortspiele, um neue Vokabeln zu erfinden.

Gegenteile im Klingonischen

Es gibt einige Wörter, die innerhalb der klingonischen Sprache ein Gegenwort haben. Zum Beispiel ergibt das Wort ghop für Hand rückwarts gesprochen pogh, was dann Handschuh bedeutet. Ein Mitternachts-Snack ghem ist rückwärts für megh Mittagessen.

Komplementärwörter

Dann gibt es viele Wörter, die von Klang oder Bedeutung genau das Gegenteil des englischen Wortes zeigen. So ist das Wort für Feuer qul, wobei Feuer bekanntlich eben nicht "cool" ist. Wenn ein Amerikaner etwas nicht mag, dann sagt er "yuck" – auf Deutsch "Igitt" – daher das klingonische Wort für Schokoloade yuch. Und das Wort für Blut ('Iw) kann man sich gut merken, da die meisten Leute bei dessen Anblick häufig "iiuuu" sagen.

Eigennamen

Okrand hat sich auch sehr häufig bei Namen bedient. Er hat offen zugegeben, dass er das Wort für Nachbar jIl nach seiner damaligen Nachbarin Jill benannte. Seine beiden Zwillings-Freunde Pat und Phil hat er im Wort für kräftig pe'vIl verewigt, ohne jedoch einen Zusammenhang zu beabsichtigen. Auch seine Nichten Megan und Erin "verwendete" er für die Wörter megh'an und 'er'In, welches der Anfang und Ende eine Stabes bedeuten.

Um die Ecke gedacht

Für viele der Wörter muss man etwas mehr um die Ecke denken. Zum Beispiel basiert das Wort für Paar chang'eng auf den bekanntesten Siamesischen Zwillingen Chang und Eng Bunker. Noch einen Schritt weiter geht das Wort für Dach beb. Auf Englisch roof, erinnert es an einen bekannten Baseballspieler Namens Babe Ruth – ausgesprochen wie beb und roof. Für einen Außenstehenden alles andere als offensichtlich.

Poster mit Babe Ruth
Babe Ruth - Grundlage für das Wort "beb"

Insiderwitze und Anekdoten

Manche Wörter haben auch eine recht witzige Geschichte im Hintergrund, die nur die Insider kennen und verstehen. So kam es, dass während des siebten Klingonischkurs Saarbrücken 2008 einer der Teilnehmer irgendwie nie anwesend war. Er kam Morgens zu spät, so dass er quasi nur zum Mittagessen da war und danach hatte er wieder einen Termin. Er tauchte zwischendurch unerwartet auf, und als man ihn suchte, war er plötzlich wieder unauffindbar. Sein Name war Nima, und die Schüler begannen scherzhaft zu sagen, dass dies wohl ein klingonisches Wort für jemanden sei, der nie da ist.

Als wir dies Marc Okrand erzählten, griff dieser die Geschichte auf und fragte überrascht, woher wir dieses Wort denn kennen würden! In der Tat bedeutet nämlich das Wort nIyma' soviel wie Erscheinung, per Definition etwas, das man sieht aber nicht wirklich da ist. Er fügte noch hinzu, dass Nima stolz sein könne, einen Namen zu haben, der wie ein klingonisches Wort klingt.

Das Wort für Achselhöhle

Noch irrwitziger ist die Geschichte des Wortes 'I': Vor langer Zeit, in den Anfängen des Klingon Language Institute, bestand das KLI fast nur aus der Mailing-Liste, auf der die Mitglieder wild und sehr aktiv über und auf Klingonisch sprachen. In einer heftigen Diskussion darüber, dass man nicht einfach Wörter erfinden dürfe, brachte jemand das Beispiel, dass niemand wissen könne, dass das Wort 'I' jetzt Achselhöhle heißen könne, wenn nur er dieses erfunden hätte. Die Betonung liegt nun auf hätte, denn dieses Wort war zu der Zeit kein offizielles Wort. Einige Zeit später tauchte dieses Wort plötzlich wieder auf. Scheinbar hatte es jemand aufgegriffen, ohne zu merken, dass es nur ein fiktives Beispiel war. Glücklicherweise lösten sie dieses Problem schnell auf und hakten es unter der Kategorie "lustige Irrtümer" ab.

Da die Klingonen aber bekanntlich große Geschichtenerzähler sind, gelangte diese Anekdote selbstverständlich während des darauffolgenden Jahrestreffen des KLI, dem qep'a', auch irgendwie zu Marc Okrands Ohren. Dieser genoss diese Anekdote offenbar mit großer Freude, denn als anschließend einer der Teilnehmer fragte, was denn nun das echte Wort für Achselhöhle sein könnte, antwortete Okrand ganz trocken und ohne mit der Wimper zu zucken "Das liegt doch auf der Hand: es ist 'I'."

Nervige Eselsbrücken

Es gibt noch sehr, sehr viele Wörter, die irgendwie einen mehr oder weniger witzigen Hintergrund haben. Manche so offensichtlich, dass man gleich drüber stürzt, andere so versteckt, dass man sie sogar mit Erklärung einfach nicht verstehen kann. Das ist sicherlich amüsant, aber es gibt viele Schüler, die das eigentlich überhaupt nicht wissen wollen. Denn was anfangs als nette Eselsbrücke beim Lernen hilft, klebt später wie eine nerviges Etikett an jedem gesprochenen Wort und kann dann wirklich störend sein. Es soll jedem überlassen sein, sich diese Witzchen anzueignen – aber man sollte dabei auch nicht vergessen, Klingonisch zu lernen.

Übrigens, zum Schluss noch ein Detail: Die Klingonen sind nach einem ehemaligen Arbeitskollegen von Gene Roddenberry benannt. Dieser hieß "Wilbur Clingan".

Dieser Artikel erschien erstmals 2012 im Corona-Magazin, dem umfassendsten Phantastik-Magazin seit 1997, welches seit 2021 unter dem Namen Phantastika vertrieben wird.

JETZT TEILEN

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on print
Drucken
Share on email
E-Mail
Share on reddit
Reddit

ÜBER DEN AUTOR

Lieven L. Litaer ist Klingonischexperte, Autor, Gründer des Deutschen Klingonisch-Instituts und weltweit bekannt als der Klingonischlehrer überhaupt. Mehr Informationen darüber gibt es auf seiner Seite www.lieven-litaer.de

Neueste Beiträge:
Kategorien: