Klingonisch in Starfleet Academy

Die vierte Folge konzentriert sich stark auf den jungen klingonischen Kadetten Jay-Den Kraag. Die Erwartungen an klingonische Dialoge waren hoch, doch es gab nichts wirklich Brauchbares, außer ein paar kleinen Andeutungen, die über die Folge verteilt waren.

Als nettes Easter Egg enthält der Vorspann der Folge „Vox in Excelso“ einige klingonische Buchstaben. Es ist der Satz, der normalerweise auf Englisch „A CBS Studios production“ geschrieben wird, hier aber etwas anders aussieht:

much SBS studios malja'

Diese Buchstaben stehen für die Wörter much „präsentieren“ oder „Präsentation“ und malja' „Geschäft, Business“. Wenn das erste Wort als Substantiv „Präsentation“ gemeint war, ist die Wortstellung falsch. Es müsste dann „CBS Studios malja' much“ heißen. Aber angenommen, es wurde richtig geschrieben, ist der Satz absolut passend, wenn much als Verb genutzt wird: „Das CBS Studios Business präsentiert“.

Klingonische Wörter

Die erste Hoffnung, klingonische Wörter zu hören, keimte auf, als Caleb Jay-Den ein Gericht anbot, das dieser perfekt als SuvwI' tlhIq aussprach, woraufhin Jay-Den es korrekt mit „Kriegereintopf“ übersetzte. Doch viel Klingonisches folgte nicht, obwohl wir eine klingonische Familie in Aktion erleben durften. Jay-Dens Vater Drekol (Martin Roach) brachte eine Waffe mit, die er HurwI' nannte, das klingonische Wort für „Bogen“, das wir im Jahr 2020 kennengelernt hatten. Hält man sich an Okrands kanonische Definition dieses Substantivs, handelt es sich nicht um eine klingonische Waffe, aber mal ehrlich: Wir befinden uns 900 Jahre in der Zukunft, da kann sich die Sprache sicherlich weiterentwickeln. Die Verwendung dieses Wortes zeigt jedenfalls, dass es entweder tatsächlich von Okrand stammt oder zumindest jemand in einem Online-Wörterbuch nachgeschlagen hat.

Später, als die beiden Brüder in einer Rückblende durch den Wald gehen, ruft Jay-Dens Bruder Thar (Tremaine Nelson) das Wort loDnI' Bruder. Die Untertitel zeigen lediglich „spricht Klingonisch“ an.

Klingonische Buchstaben

In der nächsten Rückblende in Jay-Dens Vergangenheit sieht man sie, wie sie sich auf eine rituelle Jagd vorbereiten. Er hält ein Blatt Papier mit der Zeichnung eines Vogels in den Händen, über der klingonische Buchstaben stehen. Diese lauten:

bozdegh had doq

In lateinischen Buchstaben konvertiert, ergibt dies bo’Degh HaD DoQ. Dabei wurde der häufige Fehler gemacht, gh als G + H einzugeben, weshalb es sich ghH liest. Der erste Teil soll anscheinend „Vogelkunde“ (auf Englisch wörtlich „bird study“) heißen. Hier ist aber ein kleiner Fehler unterlaufen, da HaD nur ein Verb und kein Substantiv ist. Dem englischen Wort „study“ (studieren) kann man das aber nicht ansehen, daher die Verwechslung, die leider häufig passiert. (Auch könnte man jetzt argumentieren, dass Okrand aus dem Verb ein Nomen gemacht hat, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass jede Art von Wissenschaft mit dem Nomen QeD endet. Aber wer weiß, vielleicht werden wir auch da eines Besseren belehrt. Wir werden berichten.)

Das letzte Wort, das eine Zeile darunter steht, ist höchstwahrscheinlich ein Tippfehler für toQ Raubvogel. Es ergibt weniger Sinn, dass es tatsächlich DoQ („Territorium beanspruchen) bedeuten sollte.

Jay-Den hält die Zeichnung mit klingonischen Buchstaben / © CBS

Gute Aussprache

Später in dieser Folge fällt ein kleines, aber wichtiges Detail auf. Die meisten sprechen den Namen der klingonischen Heimatwelt „Kronos“ genau wie „Chronos“ oder reimend auf „Bonus“ aus. Als Nahla vom klingonischen General Obel Wochak (David Keeley) besucht wird, spricht er den Namen auf klingonisch aus, das heißt, mit einer kurzen Pause in der Mitte, genau wie es geschrieben wird: Qo'noS. Das könnte ein Einzelfall sein, aber auch Jay-Den spricht den Namen so aus, als er seine mitreißende Abschlussrede im Debattierclub hält. Sogar den Namen Kahless spricht er auf klingonisch aus, nämlich qeylIS mit einem „sch“ am Ende.

Trinksprüche

Natürlich darf Blutwein nicht fehlen, wenn ein Klingone im Spiel ist. Trinken wird üblicherweise von einem Trinkspruch begleitet, wie wir im Sprachkurs „Conversational Klingon“ gelernt haben. Genau daher stammt auch der Trinkspruch, den wir in dieser Folge hören: ’IwlIj jachjaj! „Möge dein Blut schreien!“, rufen General Wochak und Captain Nahla lautstark und mit perfekter Aussprache.
In einer dritten Rückblende sehen wir die rituelle Jagd, die Teil seines Initiationsritus ist. Jay-Dens Vater zeigt ihm einen Falken, den er veqlargh toQ nennt. Diese Wortkombination ist uns neu, setzt sich aber aus existierenden Wörtern zusammen: veqlargh, der Fek'lhr, eine klingonische Art teuflisches Wesen, und toQ, Raubvogel. Ganz am Ende – in einer weiteren Rückblende – hören wir die Klingonen ein Lied singen, das eindeutig aus existierenden klingonischen Wörtern besteht. Leider ist die Tonqualität nicht gut genug, da die Stimme des Kadettenmeisters alles übertönt. Zum Abschluss dieser wundervollen und emotionalen Folge, die mein klingonisches Herz tief berührt hat, eröffnet Captain Nahla den Kampf gegen die Klingonen mit einem lauten Ruf: Qapla’!

JETZT TEILEN

Facebook
Twitter
Drucken
E-Mail
Reddit

ÜBER DEN AUTOR

Lieven L. Litaer ist Klingonischexperte, Autor, Gründer des Deutschen Klingonisch-Instituts und weltweit bekannt als der Klingonischlehrer überhaupt. Mehr Informationen darüber gibt es auf seiner Seite www.lieven-litaer.de

Neueste Beiträge:
Kategorien: